Ausgewählte Kategorie: Veranstaltung

Zurück

Am 4.5.2019 fanden ca. 30 Teilnehmer*innen den Weg ins Karlsruher ZKM und probierten mit uns “monos”, kleine, auf 14:22 min. limitierte Kreativübungen aus verschiedenen Bereichen, aus. Die Spontaneität und der Ideenreichtum der Teilnehmer*innen war umwerfend, es hat Anna und mir vom monozukuri-Team total Spaß gemacht, Euch zu begleiten!
Das Video zeigt das mono “Umgebungspuzzle” bzw. das Kreativergebnis der letzten Gruppe am Tage aus dem Mono. 
Der Teilnehmer Siggi hat direkt aus der Ausstellung heraus über die ersten “monos” berichtet, wir haben an dem Tag ganz viele verschiedene ausprobiert: https://happyhobo.de.cool/?post-088monozukuri.md

Mehr auf unserer Webseite und auf Twitter

 

Wie geht es weiter mit der “Agililität”? Diverse kluge Köpfe haben sich gemeinsam Gedanken gemacht und ein kostenfreies Buch für Euch erstellt: https://agile-booksprint.de

Humorvoll, kritisch, visionär, über den Tellerrand schauend und hoffentlich inspirierend! Zwischen November 2018 und März 2019 entstand in 3 Iterationen im Agile Book Sprint ein gemeinsames Buch zum Thema “Perspektiven der Agilität”. 

Danke an das #zkm für die tolle Unterstützung!

 

 

Sonntag, 10.03.2019.

ZKM Karlsruhe. Endspurt des Agilen Booksprints, Iteration 3, zum Thema “Perspektiven der Agilität”. 

Open Codes, OpenHub. 

13-15 Uhr Ihr lest mit uns Eure Lieblingsmanifeste, wir filmen, machen zum Finale des Book Sprints ein Remixvideo davon. Have fun! 

Infos zum Agile Book Sprint: https://www.xing.com/events/agile-book-sprint-perspektiven-agilitat-iteration-3-2061835

 

Download

Dieser Beitrag findet sich in der 2. Iteration unseres Buches “Perspektiven der Agilität”, das gemeinsam beim Booksprint im ZKM Karlsruhe zwischen dem 25. und 27.1.2019 entstand. Iteration 3 ist in Planung, neue Mitstreiter*innen sind immer willkommen! (Mail an info@agile-booksprint.de)

 

Ich sitze gefühlt vor einer Milliarde Zeichen auf meinem iPad, die sich nicht mehr beherrschen lassen. Das fühlt sich vermutlich ziemlich „agil“ an, wollte man das Wort unnötig assoziativ aufladen. Lustigerweise ist es das schon, da macht es nichts mehr.

Ursprünglich wollte ich mich mit den Themenbereichen „Ideologie der Agilität“, „Post-Agilität“, „Zukunft der Agilität“ und „Dark Agile“ beschäftigen. Dabei bemerkte ich schon in Iteration 1 dieses Agile Book Sprints, dass ich inhaltlich Dinge gesammelt hatte, die ich nicht mehr notwendigerweise unter diesen Titel subsummieren konnte.

Meine Aufmerksamkeit galt den Manifesten. Und sie blieb dort hängen. Den „Rest“ muss ich entweder mit der Fusselbürste entfernen oder mit Bastelkleber adhäsieren.

Beobachtung 1: Die sprichwörtliche Steintafel, auf die sich Agilität letztendlich immer beziehen kann, ist das agile Manifest. Ein Manifest ist dem Lateinischen nach etwas „Handgreifliches“, etwas dass man be-greifen kann. Oft, wenn wir in der Historie zurückschauen, eine politische oder künstlerisch-ästhetische Absichts- und Zielerklärung, nach der sich andere richten sollen.

Beobachtung 2: Bei Manifest dachte ich früher nie an IT, Programmierung o.ä., sondern an politische Manifeste, die postulieren, man solle doch bitte die Welt ändern. Nicht unbekannt ist das „Kommunistische Manifest“ von Marx und Engels, sicher eines der wirksamsten Manifeste, die es je gab.

Das Buch beginnt mit dem Satz:
„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“

page2image544

Grob erinnern wir uns an das Ansinnen: Gesellschaftsentwicklung, industrielle Revolution, politische Revolution, Umkehrung der Verhältnisse: Arbeiter bekommen die Macht, Ideologie, kapitalistische Ausbeutung verhindern.

Beobachtung 3: Dass die Begründer des Agilen Manifests ausgerechnet die historisch-kulturelle Form des „Manifests“ gewählt haben, ist formal bedeutsam und für die Einordnung in kultureller Hinsicht relevant. Steckt doch so der revolutionäre Gedanke, der

Umbruch, das befolgbare Programm, die festgesteckte – man könnte sagen: ideologische – Zielrichtung der Begründer implizit schon mit im Agilen Manifest. Ein Schelm, wer in der Marxschen und Engelschen Masse, dem Proletariat, das agile Team sieht, das sich erhebt und die Kapitalisten an der Spitze der Pyramide stürzen will.

Beobachtung 4: Julian Rosefeldt hat einen wunderbaren Film mit dem Namen „Manifesto“ gedreht, die relativ bekannte Cate Blanchett spielt darin verschiedene bzw. alle wichtigen Rollen. Bebildert und inszeniert sind hier eigentlich „tote Worte“, nämlich Manifeste jeglicher Couleur, vom Kommunistischen Manifest (Politik) bis zum Dadaistischen Manifest (Kunst). Der Film lässt die Manifeste durch seine Inszenierung und seine Hauptdarstellerin wieder sprechen, wieder in die Gegenwart treten. Lustigerweise gibt es eine zusammenhängende Filmfassung, aber auch völlig kostenlos die einzelnen Szenen frei im Netz auf der Webseite des Regisseurs:

Julian Rosefeldt: Manifesto (Film)

https://www.julianrosefeldt.com/film-and-video-works/manifesto-_2014-2015/manifesto-pop-a rt-/

Betrachten wir als Beispiel ein sehr schönes Manifest, das im Film vorkommt, nämlich das Pop Art-Manifest, „I am for an art“ von C. Oldenburg.

CLAES OLDENBURG l Am for an Art (1961) (Auszug)

I am for an art that is political-erotical-mystical, that does something other than sit on its ass in a museum.
I am for an art that grows up not knowing it is art at all, an art given the chance of having a starting point of zero.

I am for an art that embroils itself with the everyday crap & still comes out on top.
I am for an art chat imitates the human, that is comic, if necessary, or violent, or whatever is necessary.
I am for an art that takes its form from the lines of life itself, that twists and extends and accumulates and spits and drips, and is heavy and coarse and blunt and sweet and stupid as life itself.
(…)

https://users.wfu.edu/~laugh/painting2/oldenburg.pdf

Wozu will uns das Manifest anstiften?

Beobachtung 5: Ohne eine letztendliche Antwort auf die voranstehende Frage geben zu wollen: Kunst soll etwas anderes machen. Sie soll nicht mehr in einer virtuellen Ebene spielen, sie soll politisch sein, sie soll anziehend sein, sie soll Tabus brechen, die Systemgrenze überschreiten. Man könnte sagen: Die Kunst soll sich nicht mehr den Hintern im Museum plattsitzen, sie soll raus in die Welt. Lustig, wo wir doch gerade den Book Sprint in der „Open Codes“ im ZKM Karlsruhe machen, wo das Museum sich nach außen öffnet, aber auch Teile von Digitalkultur und New Work absorbiert hat. Ohne dies weiter fortzuspinnen: Das Manifest fordert etwas oder jemanden dazu auf, sich zu transformieren oder eine Transformation voranzutreiben.

Kommen wir mal kurz zur Sache. Was steht nochmal im Agilen Manifest?

Manifest für Agile Softwareentwicklung

Wir erschließen bessere Wege, Software zu entwickeln,
indem wir es selbst tun und anderen dabei helfen.
Durch diese Tätigkeit haben wir diese Werte zu schätzen gelernt:

Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans

Das heißt, obwohl wir die Werte auf der rechten Seite wichtig finden, schätzen wir die Werte auf der linken Seite höher ein.

https://agilemanifesto.org/iso/de/manifesto.html

Beobachtung 6: Das Agile Manifest schlägt eine Verlagerung der Werte und Prioritäten vor, indem es explizit Werte gegeneinander aufwiegt. Damit bekommen Werte, Abläufe und Strukturen aus der klassischen, hierarchischen Arbeitswelt, eigentlich der klassischen Softwareentwicklung eine geringere Gewichtung. Dass sich das Manifest dabei auf Softwareentwicklung bezieht und nicht auf andere Bereiche und Felder, scheint dabei heute zu vergessen – heute kann alles agil sein, vom Führungsverhalten (agile Leadership) bis zur Organisationsstruktur.

Wo ein Manifest ist, ist Widerstand nicht weit. Mittlerweile sind neben anderen auch zwei der Begründer des Agilen Manifests nicht mehr ganz einverstanden mit der kulturellen Auslegung und Auslebung der Agilität.

Dark Manifesto for Agile Software Development

We are uncovering betterthe onlyways of developing software by doing it and helpingteachingothers do it. Through this work we have come to value:
Individuals and interactions overand notprocesses and tools Working software overand notcomprehensive documentation Customer collaboration overand notcontract negotiation Responding to change overand notfollowing a plan

That is, whilesincethere is novalue in the items
on the right, we value onlythe items on the left more.

http://darkagilemanifesto.org/

page5image2784

Um es kurz zu fassen: Nach dem Gartner Hype Life Cylcle hat Agilität seinen Zenit überschritten, und das passiert mit allen Technologien und Arbeitsparadigmen.

page6image544

Beobachtung 7: Huch, der Book Sprint ist fast rum, und das Lektorat steht noch an.

Folgendes Manifest will ich nichtsdestotrotz nicht verheimlichen, hat es doch seinen eigenen Humor und seine eigene praxisnahe Metaebene.

page7image552

http://www.halfarsedagilemanifesto.org

Zuguterletzt ein Versuch eines möglichen post-agilen Manifestos. Wobei noch nicht geklärt ist, ob „post“ ein „danach“ bezeichnet, das sich vom vorherigen abgrenzt/disruptiv ist – oder das Vorherige verändert, andere Vorzeichen setzt.

Ein Versuch: Post-agile manifesto

Wir beschäftigen uns mit der Agilisierung, um dessen gute Ansätze aus einer Entwicklung der Eingleisigkeit und des Hypes zu retten und wieder zu entgrenzen.
Durch diese praktische Tätigkeit als auch Metadenkweise haben wir die folgenden Werte zu schätzen gelernt und würden diese gerne zur freien „Bespielung“ freigeben:

Freies Denken und Weiterbildung des Individuums in gesundem Verhältnis zu kulturell verankerten Regelwerken

Humor, Spaß, Leichtigkeit und Askese in Relation zu Seriösität, Professionalität und einem ernsthaften Anliegen, etwas zu erschaffen und weiterzuentwickeln.

Gemeinschaft und Zusammenarbeit gleichermaßen wie individuelle Gedanken, konzentrierte Arbeit und mitreißende Einzelleistungen.

Blick über den Tellerrand und Vermögen und Lust sich weiterzuentwickeln und nicht stehenzubleiben oder statisch zu werden genauso wie die Ruhe, auch einmal an einem Punkt etwas in Ruhe zuende zu bringen und das Vermögen, Komplexität zu reduzieren.

Agile Werte, Prinzipien und Strukturen in dem Maße an eine Organisation anpassen, wie es für diese passt – und auch nur, wenn es für sie passt und einen Mehrwert ergibt.

tbc

Danke für ein tolles Jahr Coaching LAB mit Euch, wir freuen uns auf 2019 mit Euch! Fröhliche Weihnachten und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!

Wir planen ein Experiment in Karlsruhe: Einen Book Sprint, der im besten Falle an mehreren Orten parallel stattfinden soll. 

Dafür suchen wir momentan: 

  • Personen, die bereits Book Sprint-Erfahrung haben und mitorganisieren möchten (im besten Fall wart Ihr schon einmal Facilitator) (Book Sprint Gruppen bestehen aus 5-8 Personen, davon jeweils immer ein Facilitator)
  • Personen, die bereits Interesse signalisieren als Teilnehmer/Schreibende dabei zu sein (Themenabriss siehe unten)
  • Unternehmen und Institutionen in Karlsruhe, die Räume und ggf. Catering zur Verfügung stellen wollen (andere Standorte remote zuzuschalten wäre zumindest theoretisch denkbar) 

Das Thema, das wir wertschätzend-kritisch-wissenschaftlich-kreativ durchleuchten wollen lautet: Post-Agilität (Was kommt nach dem “Agil”-Trend?), Kritik der Agilität (Theorie/Praxis/Ideologie), De-Agilisierung, Philosophie der Agilität usw. Die Themen und Schwerpunkte bestimmen die Book Sprint Gruppen im Rahmen des Hauptthemas selber!

Die Veranstaltung soll ca. 3 Tage dauern, z. B. von Freitag Mittag bis Sonntag Nachmittag. Die Ergebnisse werden publiziert.

Bei Interesse oder Fragen einfach Email an info@think-do-change.de

Gestern durfte ich Teil eines interessanten Experiments sein: Als Laie Icons malen, mithilfe eines vorgegebenen Rasters, aber unter Zeitdruck. 

Was Anna als Expertin so beschreibt, fühlte sich für mich sehr herausfordernd an: In 10 Minuten sechs Icons malen und dabei die Formen des vorgegebenen Rasters verwenden. Zuerst denkt man: Ui, in 10 Minuten schaffe ich das nie! Dann denkt man nach der ersten Figur: Fällt mir jetzt wirklich noch was ein? Aber mit der (kurzen!) Zeit entdeckt man doch neue Möglichkeiten und lässt sich auf das Experiment ein, in minimaler Zeit etwas “zu schaffen”. Das ist interessant, denken wir doch meistens: Ach, dafür hätte ich jetzt nur 10 Minuten, das mach ich dann mal lieber “richtig” … 

Herr Frutiger, der bei dem Experiment Pate stand, wäre wahrlich nicht stolz gewesen auf mein Ergebnis … Stichwort: Ausmalen will auch gelernt sein … aber ich habe das etwas Wichtiges mitgenommen: Anfangen, Leitplanken setzen/setzen lassen, los! 

Oder um es mit einem Songtextausschnitt von Jessie J zu sagen: 

“Can’t color inside the lines ’cause
I’m perfectly incomplete
I’m still working on my masterpiece”

Wer sich weiter im “Timeboxing” üben möchte, hat bei unserem letzten Sommerloch Event “Think inside out the timebox – Kreative Ideen in wenigen Minuten” die Gelegenheit dazu.

Anmeldung über Eventbrite: https://www.eventbrite.de/e/think-inside-out-the-timebox-kreative-ideen-in-wenigen-minuten-tickets-48730934537?aff=ehomecard

 

 

Beim Tetralemma handelt sich um eine Technik zur Entscheidungsfindung, die sich besonders dann eignet, wenn man sich in einer „Zwickmühle“ befindet. Sie dient sowohl zur Klärung innerer als auch äußerer Konflikte, Lösung von Dilemmata, zur kreativen Lösungsfindung und zur Sichtbarmachung von übersehenen Aspekten. Sie kann z. B. im Coaching oder in der Beratung angewandt werden, wenn der Coachee zwischen zwei gleich starken Handlungsoptionen hin- und herschwankt.

Im Vodcast gebe ich einen kurzen Einblick in die Methode. Wer mehr zum Thema Entscheidungsfindung lernen und ausprobieren möchte, besucht am besten unseren Workshop “Ja – Nein – Vielleicht – Später. Neue Wege Entscheidungen zu treffen” am Donnerstag, 30.08.2018, 18-21 Uhr in unseren Räumlichkeiten im Karlsruher Rheinhafen.

Anmeldung unter: https://www.eventbrite.de/e/ja-nein-vielleicht-spater-neue-wege-entscheidungen-zu-treffen-tickets-48730455103

 

 

 

„SOMMERLOCH OHNE VERBLÖDEN“ – eine Veranstaltungsreihe, die an drei verschiedenen Abenden Impulse für das (berufliche oder private) Leben mitgeben möchte. Mit Spaß, Kreativität und Köpfchen gegen die Sommermüdigkeit! Für genügend Abkühlung ist ebenfalls, durch kühle Getränke und gut klimatisierte Räumlichkeiten (in unserem Denkhafen), gesorgt.

Die erste Veranstaltung findet am Donnerstag den 16.08. ab 18:00 Uhr statt zum Thema „Böse Argumente – Erkennen – Erleben – Eliminieren“ .

Die All-Inclusive-Tickets gibt es über Eventbrite (45€ / pro Veranstaltung):
https://www.eventbrite.de/o/dr-christian-hoffstadt-17640735763

Wir freuen uns auf euch!

Dr. Christian Hoffstadt & Anna Zinßer

Heute möchte ich eine meiner Lieblingsmethoden vorstellen, die in den 1980er Jahren erfunden wurde, und deren Wurzeln noch etwas älter sind.

Man stelle sich vor, eine Methode ermutigt einen, alle Zweifel, alle Diskussion, “Wenn und Abers” beiseite zu lassen und direkt dort einzusteigen, wo es im Alltag kaum möglich: Bei dem was wir uns wirklich wünschen, was wir als Vision vielleicht schon in uns tragen und was sich erst in einer offenen, kreativen Umgebung offenbart.

Robert Jungk, einer der ersten Zukunftsforscher, erfand in der Zeit des Kalten Krieges gemeinsam mit Norbert Müllert die bis heute bekannte Methode der „Zukunftswerkstätten“. Sie trieb das Interesse daran, Menschen aller Bildungsbereiche und sozialer Klassen demokratisch an der Gestaltung von Zukunftsprozessen teilhaben zu lassen. Dahinter steckte der implizite Wunsch, dezentrale, regionale Selbsthilfe zu aktuellen Themen zu ermöglichen.

Das heißt, jeder sollte Wünsche und Phantasien frei entfalten und die Welt um sich herum mitgestalten können. Die Methode wirkt dabei den repressiven Effekten entgegen, die normalerweise auftreten: Gesellschaft wird zentral gesteuert, Menschen denken wenig visionär etc.

Die Phasen im Ablauf einer Zukunftswerkstatt sind klar und einfach strukturiert:

Bedarfsweise führt eine Vorbereitungsphase zum Thema hin. Bei größeren Gruppen, die aus unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen bestehen, die sich vorher nicht kennen und keine Thema „teilen“, mag das z. B. die Hinführung zu einem gesellschaftlich relevanten Thema sein wie „Wie sieht die Gesellschaft 20 Jahre nach der Computerisierung aus?“ (echtes Beispiel einer Zukunftswerkstatt aus den 1980er Jahren; man erkennt sofort die Aktualität, wenn man „Computerisierung“ durch „Digitalisierung“ oder „AI“ ersetzt).

Phase Eins ist die sogenannte Beschwerde- und Kritikphase, die nicht zu lang gestaltet sein sollte, da die Methode lösungs- und nicht problemorientiert ist. Hier können die Dinge und Themen platziert werden, die Anstoß für eine gewünschte Änderung bieten.

Die wichtigste, zweite Phase ist die Phantasie- und Utopiephase, die ich gerne „Wunschhausen“ nenne (Dank an den Amsterdamer Kollegen Dr. Christian Roth, der mich darauf hingewiesen hat, dass Wunschhausen wohl nah an der „Hoff-Stadt“ liegen müsse! ;)). Hier wird alles notiert bzw. an die Wand geworfen, was sich die Teilnehmer wünschen. Die einzige Regel ist: Es gibt kein „Das geht ja gar nicht“ oder „Das ist unmöglich“. Das führt dazu, dass dort Visionen und Wünsche plastisch in den Raum treten, die man eigentlich nicht realistisch äußern würde.

Abgerundet wird der Prozess durch die Verwirklichungs- und Praxisphase, die behutsam den Transfer zwischen „Wunschhausen“ und „Realitätshausen“ einleitet. Dabei ist wichtig, dass die Visionen nicht unmittelbar gegen eine virtuelle Wand fahren („Jetzt haben wir uns was gewünscht und umsetzen geht so natürlich nicht.“) und als unrealistisch auf dem Stapel der Wünsche liegen bleiben; so würde nämlich nur Frustration entstehen und das Gefühl, noch weniger als geglaubt verändern zu können. Vielmehr geht es darum, zu erspüren, wo die Teilnehmer das meiste Potenzial sehen und womöglich Anfangspunkte. Der Schwerpunkt ist also die Utopiephase, „Wunschhausen“, es ist sogar möglich, alle anderen Phasen wegzulassen, wenn die Teilnehmer spontan auf Ideen kommen und keine Hinleitung zur Methode brauchen.

Gearbeitet wird von den Teilnehmern mit Moderationskarten, die an (Moderations)wänden befestigt werden und dort verschiebbar bleiben. Klassisch sind aber auch Papierbahnen an Wänden, die Methode lädt dazu ein, beliebiges Material “zur Schau zu stellen” und z. B. auf Wandtapeten Geschichten erzählen.

Erstaunlich ist, dass die sofortige psychologische Wirkung für den Moderator/Coach direkt feststellbar ist – die meisten Menschen lassen sich sehr gut ein auf das lösungsorientierte Arbeiten in Wunschhausen. Damit ähnelt die Methode natürlich der Arbeit heutiger Think Tanks.

Die Erfinder testeten die Methode sehr lange und mussten anfangs auch Rückschläge einstecken, z. B. dass den Teilnehmern nichts Positives einfiel. Sie fanden heraus, dass es animierend wirkte, die Teilnehmer nach den „Verhinderern“ positiver Entwicklungen zu fragen. Die Problem/Kritikphase kann also durchaus immer wieder punktuell auch genutzt werden, um ex negativo Positives zu denken.

Die Zukunftswerkstatt ist ursprünglich als Gruppenmethode gedacht, adaptiert funktioniert sie aber auch wunderbar in der Einzelarbeit (ggf. wird Feedback von außen, z. B. von Freunden eingeholt, und die Arbeit in mehrere Sessions verteilt).

Zeitlich lässt sich die Methode hervorragend anpassen und skalieren. Von der Kurzwerkstatt mit je 15 Minuten pro Phase bis zur Wochenend oder 5-Tage-Zukunftswerkstatt ist alles denkbar. Wichtig ist bei Gruppen, die sich vorher nicht kennen und kein gemeinsames Thema haben, zu Beginn eine Infophase, eine gemeinsame Besichtigung einzuplanen.

Da wo viele Menschen “zusammendenken”, kommt natürlich schnell die Frage auf, wie man die Ergebnisse sichert und teilt. Sollten alle beispielsweise zu Beginn “brainwriting” im Stillen betreiben, ist es wichtig, dass diese Ideen auch in Folge geteilt werden und die Gruppe sich gegenseitig inspiriert, Ideen weiterzuflechten. Sollte die Gruppe gemeinsam brainstormen, ist es wichtig, dass eine neutrale Person schreibt, die die Ergebnisse nicht filtert, bremst oder verformt. Wenn jeder schreibt und Ergebnisse frei an einer Wand platzieren kann, bekommt man allerdings in den allermeisten Fällen “demokratische” Ergebnisse.

Und zum Abschluss einige DOs und DON’Ts:

DOs:  
  • Fantasie
  • Freiheit
  • Wünsche
  • Utopie
  • Das Undenkbare denken (Kahn, Zizek)
  • viele Wortmeldungen
  • Experimentierfreude
  • Unangepasstheit
  • Wandlungsfreude
  • Verrücktes zulassen
  • Scheitern riskieren
  • Vielseitige Infos und Interessen teilen
  • Ideen weiterspinnen
  • Kreativität vor Logik
  • Unvoreingenommene Begegnung
  • Wilde Wucherung von Ideen zulassen
  • Freies Gedankenspiel
  • „Überspitzungen sind nützliche Herausforderungen“
  • Lockerungsübungen
  • Freie Inspiration


DON’Ts:  
  • Monologe
  • Grundsatzdiskussionen
  • Unmut
  • Ohnmacht
  • Bedrängendes
  • “Das geht ja eh nicht”
  • Im-Kreis-drehen
  • Kritik
  • “Ja, aber”
  • Gewohnte Denkgleise
  • Gewohnte Diskussionen
  • An das Machbare denken
  • Druck, etwas umzusetzen
  • Besitzanspruch an Ideen
  • Perfektionismus
  • „Konformitätsgefängnis“
  • Umsetzungsdruck


* Robert Jungk/Norbert R. Müllert: Zukunftswerkstätten, München 1994 (4. Auflage). (Erst-VÖ 1981)

Demnächst dann mehr zu “sozialen Erfindungen”, dem “Walesa-Effekt” und der sogenannten “Soziokratie”!