Die neu eingerichtete Coaching Sprechstunde startet ab dem 1. August 2018. Zwischen 16:00 und 19:30 biete ich fünf 30minütige Einheiten an, in denen man unverbindlich und kostenfrei Kurzzeitcoaching ausprobieren kann. Weitere Infos und Anmeldung unter https://www.think-do-change.de/coaching-sprechstunde/

Die Coaching Sprechstunde findet alle zwei Wochen statt. Sie vereinbaren einen Termin und bringen ein Anliegen mit, bei dem ich Sie unterstützen soll. Dann erhalten Sie eine Art „erste Hilfe zur Selbsthilfe“. 

Heute möchte ich eine meiner Lieblingsmethoden vorstellen, die in den 1980er Jahren erfunden wurde, und deren Wurzeln noch etwas älter sind.

Man stelle sich vor, eine Methode ermutigt einen, alle Zweifel, alle Diskussion, “Wenn und Abers” beiseite zu lassen und direkt dort einzusteigen, wo es im Alltag kaum möglich: Bei dem was wir uns wirklich wünschen, was wir als Vision vielleicht schon in uns tragen und was sich erst in einer offenen, kreativen Umgebung offenbart.

Robert Jungk, einer der ersten Zukunftsforscher, erfand in der Zeit des Kalten Krieges gemeinsam mit Norbert Müllert die bis heute bekannte Methode der „Zukunftswerkstätten“. Sie trieb das Interesse daran, Menschen aller Bildungsbereiche und sozialer Klassen demokratisch an der Gestaltung von Zukunftsprozessen teilhaben zu lassen. Dahinter steckte der implizite Wunsch, dezentrale, regionale Selbsthilfe zu aktuellen Themen zu ermöglichen.

Das heißt, jeder sollte Wünsche und Phantasien frei entfalten und die Welt um sich herum mitgestalten können. Die Methode wirkt dabei den repressiven Effekten entgegen, die normalerweise auftreten: Gesellschaft wird zentral gesteuert, Menschen denken wenig visionär etc.

Die Phasen im Ablauf einer Zukunftswerkstatt sind klar und einfach strukturiert:

Bedarfsweise führt eine Vorbereitungsphase zum Thema hin. Bei größeren Gruppen, die aus unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen bestehen, die sich vorher nicht kennen und keine Thema „teilen“, mag das z. B. die Hinführung zu einem gesellschaftlich relevanten Thema sein wie „Wie sieht die Gesellschaft 20 Jahre nach der Computerisierung aus?“ (echtes Beispiel einer Zukunftswerkstatt aus den 1980er Jahren; man erkennt sofort die Aktualität, wenn man „Computerisierung“ durch „Digitalisierung“ oder „AI“ ersetzt).

Phase Eins ist die sogenannte Beschwerde- und Kritikphase, die nicht zu lang gestaltet sein sollte, da die Methode lösungs- und nicht problemorientiert ist. Hier können die Dinge und Themen platziert werden, die Anstoß für eine gewünschte Änderung bieten.

Die wichtigste, zweite Phase ist die Phantasie- und Utopiephase, die ich gerne „Wunschhausen“ nenne (Dank an den Amsterdamer Kollegen Dr. Christian Roth, der mich darauf hingewiesen hat, dass Wunschhausen wohl nah an der „Hoff-Stadt“ liegen müsse! ;)). Hier wird alles notiert bzw. an die Wand geworfen, was sich die Teilnehmer wünschen. Die einzige Regel ist: Es gibt kein „Das geht ja gar nicht“ oder „Das ist unmöglich“. Das führt dazu, dass dort Visionen und Wünsche plastisch in den Raum treten, die man eigentlich nicht realistisch äußern würde.

Abgerundet wird der Prozess durch die Verwirklichungs- und Praxisphase, die behutsam den Transfer zwischen „Wunschhausen“ und „Realitätshausen“ einleitet. Dabei ist wichtig, dass die Visionen nicht unmittelbar gegen eine virtuelle Wand fahren („Jetzt haben wir uns was gewünscht und umsetzen geht so natürlich nicht.“) und als unrealistisch auf dem Stapel der Wünsche liegen bleiben; so würde nämlich nur Frustration entstehen und das Gefühl, noch weniger als geglaubt verändern zu können. Vielmehr geht es darum, zu erspüren, wo die Teilnehmer das meiste Potenzial sehen und womöglich Anfangspunkte. Der Schwerpunkt ist also die Utopiephase, „Wunschhausen“, es ist sogar möglich, alle anderen Phasen wegzulassen, wenn die Teilnehmer spontan auf Ideen kommen und keine Hinleitung zur Methode brauchen.

Gearbeitet wird von den Teilnehmern mit Moderationskarten, die an (Moderations)wänden befestigt werden und dort verschiebbar bleiben. Klassisch sind aber auch Papierbahnen an Wänden, die Methode lädt dazu ein, beliebiges Material “zur Schau zu stellen” und z. B. auf Wandtapeten Geschichten erzählen.

Erstaunlich ist, dass die sofortige psychologische Wirkung für den Moderator/Coach direkt feststellbar ist – die meisten Menschen lassen sich sehr gut ein auf das lösungsorientierte Arbeiten in Wunschhausen. Damit ähnelt die Methode natürlich der Arbeit heutiger Think Tanks.

Die Erfinder testeten die Methode sehr lange und mussten anfangs auch Rückschläge einstecken, z. B. dass den Teilnehmern nichts Positives einfiel. Sie fanden heraus, dass es animierend wirkte, die Teilnehmer nach den „Verhinderern“ positiver Entwicklungen zu fragen. Die Problem/Kritikphase kann also durchaus immer wieder punktuell auch genutzt werden, um ex negativo Positives zu denken.

Die Zukunftswerkstatt ist ursprünglich als Gruppenmethode gedacht, adaptiert funktioniert sie aber auch wunderbar in der Einzelarbeit (ggf. wird Feedback von außen, z. B. von Freunden eingeholt, und die Arbeit in mehrere Sessions verteilt).

Zeitlich lässt sich die Methode hervorragend anpassen und skalieren. Von der Kurzwerkstatt mit je 15 Minuten pro Phase bis zur Wochenend oder 5-Tage-Zukunftswerkstatt ist alles denkbar. Wichtig ist bei Gruppen, die sich vorher nicht kennen und kein gemeinsames Thema haben, zu Beginn eine Infophase, eine gemeinsame Besichtigung einzuplanen.

Da wo viele Menschen “zusammendenken”, kommt natürlich schnell die Frage auf, wie man die Ergebnisse sichert und teilt. Sollten alle beispielsweise zu Beginn “brainwriting” im Stillen betreiben, ist es wichtig, dass diese Ideen auch in Folge geteilt werden und die Gruppe sich gegenseitig inspiriert, Ideen weiterzuflechten. Sollte die Gruppe gemeinsam brainstormen, ist es wichtig, dass eine neutrale Person schreibt, die die Ergebnisse nicht filtert, bremst oder verformt. Wenn jeder schreibt und Ergebnisse frei an einer Wand platzieren kann, bekommt man allerdings in den allermeisten Fällen “demokratische” Ergebnisse.

Und zum Abschluss einige DOs und DON’Ts:

DOs:  
  • Fantasie
  • Freiheit
  • Wünsche
  • Utopie
  • Das Undenkbare denken (Kahn, Zizek)
  • viele Wortmeldungen
  • Experimentierfreude
  • Unangepasstheit
  • Wandlungsfreude
  • Verrücktes zulassen
  • Scheitern riskieren
  • Vielseitige Infos und Interessen teilen
  • Ideen weiterspinnen
  • Kreativität vor Logik
  • Unvoreingenommene Begegnung
  • Wilde Wucherung von Ideen zulassen
  • Freies Gedankenspiel
  • „Überspitzungen sind nützliche Herausforderungen“
  • Lockerungsübungen
  • Freie Inspiration


DON’Ts:  
  • Monologe
  • Grundsatzdiskussionen
  • Unmut
  • Ohnmacht
  • Bedrängendes
  • “Das geht ja eh nicht”
  • Im-Kreis-drehen
  • Kritik
  • “Ja, aber”
  • Gewohnte Denkgleise
  • Gewohnte Diskussionen
  • An das Machbare denken
  • Druck, etwas umzusetzen
  • Besitzanspruch an Ideen
  • Perfektionismus
  • „Konformitätsgefängnis“
  • Umsetzungsdruck


* Robert Jungk/Norbert R. Müllert: Zukunftswerkstätten, München 1994 (4. Auflage). (Erst-VÖ 1981)

Demnächst dann mehr zu “sozialen Erfindungen”, dem “Walesa-Effekt” und der sogenannten “Soziokratie”!  
Am 14.06. ist es wieder soweit, das 3. Karlsruher Coaching LAB Event findet erneut in der Ausstellung Open Codes im ZKM statt. Das Motto “Der Mensch ist eine nicht-triviale Maschine” (Heinz von Foerster) begleitet uns dieses Mal – passend zur Ausstellung – in Richtung des Themenfeldes Mensch, Maschine und Digitalisierung. Mehr Infos zum Programm und zur Anmeldung auf unserer unserer Coaching LAB Xing-Seite, Generelles unter www.karlsruher-coaching-lab.de; Fragen oder “lose” Anmeldungen gerne immer an info@karlsruher-coaching-lab.de 

Heute möchte ich einen kulturwissenschaftlichen Blick zurück auf die Rolle des Konsultanten, des Beraters werfen – und auf die mit seiner Rolle verknüpfte historische Form des “think tanks”, die ein wenig erhellt, warum wir heute nach bestimmten Methoden streben.

Woher kommt wohl die Rolle des Beraters, wie wir sie heute kennen, was macht ihn eigentlich aus? Inspirierend war für mich u.a. die Lektüre des kleinen Büchleins “Think Tanks. Die Beratung der Gesellschaft”*, in dem mehrere Autoren vor allem historisch die Entwicklung des modernen Schutzraumes, in dem gehirnstürmt werden darf, sowie seiner “Besatzung”, beleuchten.

Aber zu den sogenannten “think tanks”: Wie man anhand des Wortes “tank” (dt. Panzer) schon ahnen konnte, handelt es sich um eine Erfindung des Militärs – ein Schutzraum, der die Insassen vor dem Feind schützt und eine zeitliche Verzögerung der eigenen Aktivität (Angriff) vor der des Feindes ermöglicht.

Thinks Tanks wurden immer in Krisen- und Übergangszeiten gegründet, um Wissen und Möglichkeiten bereitzustellen, Krisen zu bewältigen (z. B. 2. Weltkrieg, Kalter Krieg). Auch wenn wir heute viele nicht-politische und “friedliche” Formen von Denkfabriken kennen, ist das vermutlich bekannteste Beispiel einer Denkfabrik die US-amerikanische RAND Corporation („ResearchANd Development“, deutsch: Forschung und Entwicklung), die nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurde, um die US Army zu beraten.

Ähnlich wie in der Historie des Internets finden wir hier einen militärischen Ursprung dessen, was in der heutigen Kultur gerne als kreativ und freigeistig gefeiert wird.

Die RAND Corporation etablierte sehr schnell eine offene, kreative Struktur, eine Kultur der offenen Türen, und war Generator vieler experimenteller Methoden, Ideen zu generieren. Das heute gängige “Brainstorming”, das hierarchielose, freie Sprudeln von Ideen, war geboren. Dazu gehörte eine räumliche wie innerliche Offenheit, Interdisziplinarität, Kreativität, Informalität und architektonisch-räumlich betrachtet eine Etablierung einer Kultur der kurzen Wege und der durchgängigen Verfügbarkeit der Denkräume, die zudem abgeschottet vom Rest der Welt eine Art “ruhige Denknische” ermöglichten. Innerhalb der Corporation wurde ebenfalls dazu geforscht, welche Struktur Organisationen haben sollten, die optimal beraten und sich kreativ entfalten sollen; die klassische Baumstruktur zeigte hier deutliche Mängel (Hierarchie ermöglicht schnellere Entscheidungen, senkt aber deutlich die Motivation der Beteiligten, neue Ideen und bislang Unentdecktes und neue Möglichkeiten zu erforschen), die Netzstruktur wurde sowohl strukturell als auch büroplanerisch als beste Möglichkeit auserkoren. Insofern wurden Denkfabriken auch im wörtlichen Sinne zu offenen Räumen, die an industrielle Fabriken erinnern.

Aber was für Menschen braucht es in solchen Räumen? Und was passiert dort?

Vergleicht man die RAND Corporation als Think Tank im Kalten Krieg mit dem Bild des “War Rooms”, wird die Funktion deutlich: Entscheidungen werden im Think Tank abseits des eigentlichen Geschehens vorbereitet und die Folgen denkbarer Entscheidungen durchgespielt. Im War Room hingegen, ebenfalls geschützt, werden die eigentlichen Entscheidungen aus diesen Möglichkeiten getroffen.

Kreative Sitzung bei der RAND Corp.
War Room, filmische Inszenierung

Im Umfeld der RAND Corporation und damit mit klarem Bezug zu den Themen Politik, Militär, Kalter Krieg usw. wurden heute noch hochaktuelle Methoden wie Rollenspiel, Szenariotechnik, Planspiel etc. eingesetzt bzw. erfunden; ein erstaunliches Bild, wenn man bedenkt, dass ein Think Tank, der sich mit der Möglichkeit eines 3. Weltkriegs beschäftigt hat, sozusagen Maßstäbe in Sachen Methoden- und Arbeitsdesign gesetzt hat, die gerade heute (in modfizierter/entpolitisierter Form) wieder einen sehr hohen Stellenwert haben.

Die Arbeitsweise des Beraters, so zeigt das genannte Büchlein eindrücklich, ist jedoch von den griechischen Sophisten bis heute gleich geblieben: Der Berater nutzt sein Wissen nicht wie eine Bibliothek der Wahrheiten, sondern entwirft sein Wissen auf die Zukunft hin, projiziert es auf zukünftige Ereignisse. Hieraus entsteht ein Zukunftsraum, der virtuell “bespielt” wird: Ob Heuristik, Computersimulation, Planspiel oder narrativer Veränderungsentwurf, die Zukunft wird auf den Folien der Vergangenheit neu und kreativ durchgespielt und damit greifbar. Es geht also weniger um konkrete Sachanweisungen, wie in Zukunft zu agieren sei, denn um eine Anregung zum eigenen Denken. Es entsteht ein Wissen aus dem Dialog verschiedener Sichtweisen.

Da Berater jedoch mit dynamischen, häufig menschlichen Systemen arbeiten, treffen Voraussagen nicht immer ein – was paradoxerweise einen noch größeren Beratungsbedarf nach sich zieht. Und weiter geht das Spiel …

*Thomas Brandstetter, Claus Pias, Sebastian Vehlken (Hgg.): Think Tanks. Die Beratung der Gesellschaft, Zürich/Berlin 2010.

„Ein Leben ohne Karabinerhaken ist kein Leben“ – diesen spontanen Ausruf kürten wir zum Motto des 2. Karlsruher Coaching LABs und statteten sinngemäß zu Beginn des Events jeden Teilnehmer mit einem persönlichen Karabiner aus. Doch kaum hatte sich unsere „Seilschaft“ gebildet und jeder schon mal seinen „Gipfelruf“ geübt – für den Fall, dass die Veranstaltung die persönlichen Erwartungen erfüllt – wurde sie auch schon wieder gelöst und auf die verschiedenen Coaching Sessions aufgeteilt.

Inspiriert von den weitläufigen Räumen des ZKMs und der einmaligen Atmosphäre der Ausstellung „Open Codes“, welche das Coaching LAB dieses Mal beherbergte, hatten Christa, Anna und Christian drei ganz unterschiedliche Formate entwickelt, die nun in Kleingruppen erprobt wurden.

In der „Storytelling“ Session von Christa ging es darum, dass Realität erst dann entsteht, wenn man sie mit jemandem teilt. Der Künstler Markus Nieden (http://markusnieden.com) teilte seine Geschichte mit der Gruppe, um sich Lösungsideen und neue Perspektiven für sein Anliegen einzuholen, sich und seine Projekte in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Um die Ausgangssituation genauer zu beschreiben kam dabei auch ein Exponat der Open Codes Ausstellung zum Einsatz: die interaktive Installation »Phenotypes/Limited Forms« des Fotografen und Filmemachers Armin Linke ermöglichte es die eigene Geschichte mit Bildern zu erzählen und sogar als Leporello auszudrucken.

Christian hielt es bei seiner Coaching Session nicht lange an einem Ort. Er machte mit seiner Coachee einen „Brain Walk“ durch die weitläufigen Lichthöfe des ZKM. Begleitet wurden sie auf dem Weg zu verschiedenen Stationen von einem „Chor“ (angelehnt an das antike Drama), der zunächst beobachtete und später als Sprechchor der Coachee in ungewöhnlicher Weise die persönlichen Ressourcen in Bezug auf das Anliegen spiegelte.

In Annas „Kreativ Session“ erarbeiteten die Teilnehmer ihre Superhelden/Superschurken-Profile und stellten sich darüberhinaus mutig ihrem Erzfeind. Um die Eigenschaften für das persönliche Profil zu entdecken begaben sich die Teilnehmer zunächst auf eine Zeitreise durch ihre wichtigsten beruflichen wie privaten Lebensstationen. Zudem wurden als „Telefonjoker“ Freunde, Bekannte und Verwandte befragt, wo sie die jeweiligen Stärken und Schwächen der Teilnehmer sehen. Zum Schluss wurden die Helden und Schurken auf dem Papier zum Leben erweckt und auf wiedererkennbare Namen getauft.

Zeit für den Gipfelruf: „Yiiiipiiiyayeahhhhh“

Das nächste Karlsruher Coaching LAB wird es voraussichtlich im Juni geben. Bis dahin freuen wir uns über Wünsche, Anregungen und Feedback und eine wachsende Community!

Christian, Anna & Christa

*auch für spontane Museumsbesucher der Ausstellung „Open Codes“ im ZKM Karlsruhe

Das zweite Karlsruher Coaching LAB findet bereits am 29.03.2018 ab 17 Uhr im ZKM in der Ausstellung Open Codes statt. Wir werden dort in verschiedenen Open Spaces in drei Gruppen mit Coachingmethoden experimentieren, darunter Kreativcoaching und erstmals kurzweilige “Brainwalks” – eine Reise um das eigene Anliegen, die die Perspektive verändert. Eigene Anliegen dürfen gerne mitgebracht werden, wir freuen uns über kurze Vorabsprache. Die Anmeldung funktioniert über Xing, FB oder einfach per Mail an info@karlsruher-coaching-lab.de. Die Teilnahme ist kostenlos. Wir freuen uns auf Euch und einen spannenden Abend!  
Zum Jahresende haben Anna Zinßer und ich ein gemeinsames Atelier/Büro mit angeschlossenem Seminarraum im Rheinhafen Karlsruhe bezogen. Das ist unser neuer „Denkhafen“, wo wir jeweils unseren eigenen Tätigkeiten nachgehen können, aber auch gemeinsame Projekte und Veranstaltungen (Karlsruher Coaching LAB) vorantreiben und stattfinden lassen können. Momentan ähnelt das Ganze noch einem „White Cube“:
Am 27.11.2017 fand bei AppSphere in Ettlingen das aktuelle Mentorenmatching des Cyberforum statt. Dabei pitchten 5 neue Startups vor den ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren des Cyberforum. An drei weiteren Terminen fand unabhängig davon das sogenannte Prelab statt, bei dem sich junge Menschen an einer Startup-Idee versuchen konnten und erstes Feedback zu Ihren Ideen und Plänen sammeln konnten. Immer wieder ein tolles Erlebnis, weiterhelfen zu dürfen, und immer wieder tolle Menschen, Teams, Cyberforum-Mitarbeiter*innen und Mentorenkolleg*innen treffen zu dürfen! PS: Das Cyberforum sucht verstärkt Mentorinnen, die selbst bereits gegründet haben!
… das Gespenst der Agilität – so könnte man dieses Zitat aus dem Kommunistischen Manifest scherzhaft ergänzen. Ich habe heute die Filmversion von Julian Rosefeldts Manifesto im Kino bestaunen dürfen, ursprünglich eine Parallelinstallation zwölf miteinander in Beziehung stehender Kurzfilme, in denen die Schauspielerin Cate Blanchett in unterschiedlichen Rollen verschiedene Manifeste in Szene setzt – vom Kommunistischen Manifest bis zum künstlerischen Manifest, u. a. DADA, Fluxus u.a. (die einzelnen Szenen können auf der Seite von Julian Rosefeldt kostenfrei einzeln angeschaut werden) Spannend die unterschiedlichen Inszenierungen, in denen deutlich wird, dass Manifeste u. a. dazu dienen, etwas Neues von dem Alten, vom bestehenden System, abzuheben. Im Nachgang fiel mir auf, dass ich mich beruflich allzu oft mit den Folgen des Agilen Manifests und den diffusen Erwartungen an die sogenannte Neue Arbeit auseinanderzusetzen habe – im Positiven wie im Negativen. Bei aller spielerischen Leichtigkeit des Neuen fiel mir dennoch allzu deutlich auf, dass es sich letztendlich um systemimmanenten Protest handelt – wenn auch, wie im Falle der Pop Art, um sehr geistreichen, experimentellen und zum Teil humoristisch hochwertigen.  

Vorwort (Christian Hoffstadt): Am 19. Oktober 2017 gab es bei Seibert Media in Wiesbaden eine Art agiles Kommunikationsexperiment (Event “Viele Köcher verderben den Brei?”). Unter der Moderation von Sarah Gerwing probierten ca. 30 Personen, mit dem Kommunikations- und Projektbegleitungstool Slack innerhalb kurzer Zeit gemeinsam Kleingruppen zu bilden und gemeinsam etwas Essbares in der hauseigenen Küche zu fabrizieren. Eingebautes Hindernis war: Man durfte sich nach Auswahl einer Zutat (die dann später im Supermarkt besorgt werden durfte) nur über Slack unterhalten – und dies auch nur unter Einbeziehung einer zufälligen Regel pro Person, z. B. “Sieze alle”, “Kommuniziere ausschließlich mit Bildern/Emojis”, “Kommentiere alles Geschriebene ironisch” usw. Man kann sich sicher vorstellen: Das war ein wildes Durcheinander im Chat, der Realität in solchen Chaträumen sehr nah. Aber: Es haben am Ende alle ein Team gefunden, gemeinsam etwas gekocht/zubereitet und viel Spaß gehabt – und am Ende geteilt, was für Erfahrungen sie mit der Zusammenarbeit über das Tool erlebt haben. Im folgenden Gastbeitrag von Sarah Gerwing geht es darum: Worauf sollten wir achten, wenn wir Tools wie Slack in Projekten benutzen?

 

Hack Your Slack

Wie wird aus Slack ein gutes Tool für die Zusammenarbeit?

Sarah Gerwing

 

Um den Kommunikationsfluss zu regeln, einigen wir uns bei allen face-to-face Treffen mehr oder minder auf Regeln – doch wie sieht es mit solchen Vereinbarungen im virtuellen Raum aus? Gerade vor dem Hintergrund, dass wir zunehmend virtuell zusammenarbeiten, gewinnt diese Frage an Relevanz. In Bezug auf Slack kann man auch fragen: Wie wird aus Instant Messengern ein gutes Tool für die Zusammenarbeit? Mit einem *Selbstexperiment ist es der Agile Usergroup Rhein Main gelungen, einige zentrale Themen für solche Einigungsprozesse herauszufiltern. Diese Hacks kannst du dir zu Nutze machen – diskutiere und ergänze sie mit deinem Team.

*Hintergrund: Mit dem Selbstexperiment „Viele Köche verderben den Brei“ wurden die Teilnehmenden zu experimentierfreudigen Köchen, die sich vorab für eine Kochzutat entschieden, um dann in Slack andere Kochbegeisterte für ein gemeinsames Gericht zu finden. Mit über 20 Personen im Chat bereits eine Herausforderung, aber mit Aktionskarten ausgestattet („Sprich in Emojis“, „Schreibe in Großbuchstaben“, „Verwechsle deine Chatpartner“) umso spannender. Das Fazit: Der Brei war nicht verdorben – heraus kamen ein super Buffet und viele #Hacks.

#HackPreparation

Hier geht es um das Know-How und das Know-Who. Das technische Know-How ist Voraussetzung, um die Funktionen von Programmen wie Slack voll ausschöpfen zu können. Dazu gehört zum Beispiel, dass alle Beteiligten wissen, wie man einen Thread eröffnet, wie man direkt auf Beiträge reagieren kann und wie man Direktnachrichten verfasst (siehe auch: https://premium.wpmudev.org/blog/slack-tips/). Apropos Thread: Man kann jeden einzelnen mit einem Thema und einer Zielstellung versehen – das hilft allen Usern auch über längere Zeit hinweg den Überblick zu bewahren.

Eine weitere Voraussetzung für einen guten Start aller Beteiligten ist das Know-Who: Sollten sich nicht alle Personen kennen, werden alle beteiligten Personen und ihre jeweilige Rolle vorgestellt oder stellen sich selbst vor.

 #HackModeration

Bei der Frage, ob sich neue Personen selbst vorstellen oder eben vorgestellt werden, beginnt die Frage nach der Notwendigkeit einer Moderatorenrolle. Auch dies lässt sich mit dem Team klären. Die Agile Usergroup Rhein Main war sich einig: Zur zielgerichteten Kommunikation gehört auch ein Moderator. Die Auswahl kann durch die Wahl eines Moderators oder nach dem Rotationsprinzip erfolgen. Gerade ein Moderator kann somit auch gezielt vorgehen, wenn Beiträge zum Beispiel den Rahmen sprengen – womit wir zum nächsten Punkt kommen.

#HackEntries

Um es auf den Punkt zu bringen: Beiträge so lang wie nötig und so kurz wie möglich formulieren. Darüber hinaus wird das Gespräch nachvollziehbar, wenn Zusammenhänge zwischen Beiträgen hergestellt sind, zum Beispiel durch Liken, direkten Antworten und Emojis. Sind Nachrichten besonders wichtig, sollte der Gesprächspartner über @-Mentions angesprochen werden (ggf. auch Direktnachrichten nutzen). Oder man verwendet Pins zum Festsetzen wichtiger Informationen. Letztlich lohnt es sich auch zu überprüfen, ob die Info angekommen ist (zum Beispiel über Direktnachrichten). Wenn es jedoch nur um Informationsaustausch ginge, wären E-Mails natürlich ausreichend. Von der Slack-Nutzung erhoffen sich User häufig auch einen Ersatz, um ein Wir-Gefühl entstehen zu lassen:

#HackGroupSpirit

Eine gute Balance zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit fördern das Teamgefühl. Bei diesem Balance-Akt zwischen Emojis, animierten Content und wichtigen Informationen ist auch Toleranz gefragt. Hier lautet der Appell der Agile Usergroup Rhein-Main: Bitte nicht alles persönlich und zu ernst nehmen – Spaß gehört für manche zum guten Ton. Wie im echten Leben gilt: Ironie nur nutzen, wenn man den Gesprächspartner ausreichend kennt. 😉 Weitere spannende Erkenntnisse über Sozializing im Chat bietet übrigens folgender Artikel: https://m.signalvnoise.com/is-group-chat-making-you-sweat-744659addf7d

#HackYourSlack

Regeln kann man natürlich viele aufstellen – unterm Strich geht es bei den Hacks um Vereinfachung. Schließlich sollen Informationen, die über Programme wie Slack oder HipChat kommuniziert werden, auch bei den richtigen Empfängern ankommen und die Nutzung Spaß machen. Das Geheimrezept für die Kommunikation über Instant Messenger lautet also: Verständigt euch auf gemeinsame, zielführende Kommunikationsstandards in eurem Workspace.

Du möchtest dich weiter mit dem Thema Virtueller Zusammenarbeit befassen? Dann klick diesen Link https://blog.seibert-media.net/blog/2017/10/17/moderne-zusammenarbeit-virtuell-bedingte-konflikte-loesen/ an oder schreibe mir eine Nachricht.

Ansprechpartnerin: Sarah Gerwing https://www.xing.com/profile/Sarah_Gerwing