Expo Shanghai 2010: Ein Film zeigt die Wandlung einer Industrie-, Hafen- und Werftstadt hin zur Kulturmetropole, die ihre Vergangenheit gekonnt transformiert hat. 

Den Film kann man heute im Museo Maritimo Bilbaos sehen, die zwei Leinwände werden parallel bespielt und das davor liegende Modell Bilbaos jeweils in den Distrikten beleuchtet, deren Transformationen gerade gezeigt werden.

Anker gesetzt für kulturelle Transformation: Das von Frank Gehry geplante und umgesetzte Guggenheim Museum im Stadtkern, direkt am Fluss, ist Besuchermagnet und Ausgangspunkt der Transformation, die andauert. Man spricht vom sogenannten “Bilbao-Effekt”.

Ich wage einmal einen hoffentlich inspirierenden Vergleich:

Wandel lässt sich planen, mit einer starken Vision und gemeinsam gestalteten Zielen ist eine fast unvorstellbare Wandlung und Umsetzungstärke erreichbar.

 

Alle Fotos: Dr. Christian Hoffstadt

Und damit meine ich gar nicht den Bereich der Architektur, des Städtebaus oder der Rekulturierung einer Industrieregion. Ich meine Unternehmenswandel: Wir vergessen oft die kulturelle Transformation, halten diesen Bereich für nicht greif- oder formbar, dabei haben wir oft viel zu große Scheu, Visionen von Menschen zuzulassen und an ihre Zusammenarbeit zu glauben. 

Natürlich sind die architektonischen Kriterien des Bilbao-Effekts nicht direkt übertragbar (zentrale Lage, Nähe von Gewässer, innovative Architektur, Provokation und spektakulär sein) – und auch im architektonischen Bereich nicht einfach “nachahmbar”, wie das Beispiel Wolfsburg zeigt. 

Steile These: Wir müssen aufhören, nachzuahmen, wir müssen den Mut haben, Teamkultur, Unternehmenskultur gestaltbar und transparent zu machen. Nur mal so als Inspiration. 

 

 

 

 

Wir planen ein Experiment in Karlsruhe: Einen Book Sprint, der im besten Falle an mehreren Orten parallel stattfinden soll. 

Dafür suchen wir momentan: 

  • Personen, die bereits Book Sprint-Erfahrung haben und mitorganisieren möchten (im besten Fall wart Ihr schon einmal Facilitator) (Book Sprint Gruppen bestehen aus 5-8 Personen, davon jeweils immer ein Facilitator)
  • Personen, die bereits Interesse signalisieren als Teilnehmer/Schreibende dabei zu sein (Themenabriss siehe unten)
  • Unternehmen und Institutionen in Karlsruhe, die Räume und ggf. Catering zur Verfügung stellen wollen (andere Standorte remote zuzuschalten wäre zumindest theoretisch denkbar) 

Das Thema, das wir wertschätzend-kritisch-wissenschaftlich-kreativ durchleuchten wollen lautet: Post-Agilität (Was kommt nach dem “Agil”-Trend?), Kritik der Agilität (Theorie/Praxis/Ideologie), De-Agilisierung, Philosophie der Agilität usw. Die Themen und Schwerpunkte bestimmen die Book Sprint Gruppen im Rahmen des Hauptthemas selber!

Die Veranstaltung soll ca. 3 Tage dauern, z. B. von Freitag Mittag bis Sonntag Nachmittag. Die Ergebnisse werden publiziert.

Bei Interesse oder Fragen einfach Email an info@think-do-change.de

Gestern durfte ich Teil eines interessanten Experiments sein: Als Laie Icons malen, mithilfe eines vorgegebenen Rasters, aber unter Zeitdruck. 

Was Anna als Expertin so beschreibt, fühlte sich für mich sehr herausfordernd an: In 10 Minuten sechs Icons malen und dabei die Formen des vorgegebenen Rasters verwenden. Zuerst denkt man: Ui, in 10 Minuten schaffe ich das nie! Dann denkt man nach der ersten Figur: Fällt mir jetzt wirklich noch was ein? Aber mit der (kurzen!) Zeit entdeckt man doch neue Möglichkeiten und lässt sich auf das Experiment ein, in minimaler Zeit etwas “zu schaffen”. Das ist interessant, denken wir doch meistens: Ach, dafür hätte ich jetzt nur 10 Minuten, das mach ich dann mal lieber “richtig” … 

Herr Frutiger, der bei dem Experiment Pate stand, wäre wahrlich nicht stolz gewesen auf mein Ergebnis … Stichwort: Ausmalen will auch gelernt sein … aber ich habe das etwas Wichtiges mitgenommen: Anfangen, Leitplanken setzen/setzen lassen, los! 

Oder um es mit einem Songtextausschnitt von Jessie J zu sagen: 

“Can’t color inside the lines ’cause
I’m perfectly incomplete
I’m still working on my masterpiece”

Wer sich weiter im “Timeboxing” üben möchte, hat bei unserem letzten Sommerloch Event “Think inside out the timebox – Kreative Ideen in wenigen Minuten” die Gelegenheit dazu.

Anmeldung über Eventbrite: https://www.eventbrite.de/e/think-inside-out-the-timebox-kreative-ideen-in-wenigen-minuten-tickets-48730934537?aff=ehomecard

 

 

Erstmalig kooperieren das Karlsruher Coaching LAB und die Digital Media Women Karlsruhe (dmw ka)! Am 11. Oktober um 18:30 Uhr geht es gemeinsam los mit der neuen neuen Coach-UP Reihe, Veranstaltungsort ist die Ausstellung “Open Codes” im ZKM Karlsruhe. An diesem Abend könnt ihr euren Karrierwegen an drei verschiedenen kreativen Stationen tiefer auf den Grund gehen:

Woher komme ich? Wo stehe ich? Wohin will ich hin?

Oder in kreative Aufgaben übersetzt: Wieviele Sherpas brauche ich auf meiner nächsten Wegstrecke? Wenn mein Leben aus Baumringen bestünde, wie markiere ich die Stelle, die ich anvisiere – außerhalb des jetzigen Stammes? Wenn ich grundlegende Fragen an mein Leben beantworten müsste: Welche würde ich in einer Zeitkapsel vergraben? 

Anmeldung über die Facebook-Seite der dmw ka: www.facebook.com/events/1433687196775427/

Es wird spannend. Wir freuen uns auf Euch! 

Beim Tetralemma handelt sich um eine Technik zur Entscheidungsfindung, die sich besonders dann eignet, wenn man sich in einer „Zwickmühle“ befindet. Sie dient sowohl zur Klärung innerer als auch äußerer Konflikte, Lösung von Dilemmata, zur kreativen Lösungsfindung und zur Sichtbarmachung von übersehenen Aspekten. Sie kann z. B. im Coaching oder in der Beratung angewandt werden, wenn der Coachee zwischen zwei gleich starken Handlungsoptionen hin- und herschwankt.

Im Vodcast gebe ich einen kurzen Einblick in die Methode. Wer mehr zum Thema Entscheidungsfindung lernen und ausprobieren möchte, besucht am besten unseren Workshop “Ja – Nein – Vielleicht – Später. Neue Wege Entscheidungen zu treffen” am Donnerstag, 30.08.2018, 18-21 Uhr in unseren Räumlichkeiten im Karlsruher Rheinhafen.

Anmeldung unter: https://www.eventbrite.de/e/ja-nein-vielleicht-spater-neue-wege-entscheidungen-zu-treffen-tickets-48730455103

 

 

 

“Jetzt wird’s persönlich”: Wie reagiere ich, wenn mich jemand in der Diskussion persönlich angreift? Wie funktioniert seine Argumentationsstrategie? In diesem Video gebe ich einen kurzen Einblick – mehr Praxiswissen zu “Bösen Argumenten” und Live-Übungen gibt’s im dazugehörigen Workshop am 16.08.2018 in der Eventreihe “Sommerloch ohne verblöden”

 

Manche Coaches benutzen an einem bestimmten Punkt des Coachings gerne die sogenannte Wunderfrage (manche auch die „Zauberfee“), um den Coachee in einen lösungsorientierten Zustand zu bringen und eine „Musterzustandsänderung“ herbeizuführen. 


Was passiert, wenn man die „haarkleine“ Problemanalyse bzw. das „Problembild“ und das ganze Vorgeplänkel (Vorsicht: überspitzt!) weglässt? Ich praktiziere sehr gerne Kurzzeitcoaching und konzentriere mich mit dem Coachee in sehr begrenzter Zeit auf die Lösungsfindung – im Extremfall braucht es gar keine Erwähnung des Problems, um zu einer Lösung zu kommen. Klingt irre? Total. 

„Der Lösung ist es egal, wie das Problem entstanden ist.“ (Steve de Shazer)

Aus der Lösungsortienten Kurzzeittherapie (Solution Focused Brief Therapy), die von Berg und de Shazer in den 1980er-Jahren begründet wurde, entwickelte sich das Kurzzeitcoaching – kurze Impulse, völlig lösungsorientiert, kurze Zeitintervalle.

Insoo Kim Berg erfand die „Wunderfrage“, die wir auch aus anderen, zeitintensiven Coachingformaten kennen, durch Zufall. Ein Klient wusste in einer Sitzung nicht mehr weiter und sagte: „Vielleicht kann da nur noch ein Wunder helfen“. Insoo Kim Berg, die es sehr begrüßte, wenn auch die Coachin/der Coach sich irritieren lässt, meinte darauf sinngemäß: „Ich habe leider kein Wunder für Sie. … Aber wenn über Nacht ein Wunder geschehen würde und Ihr Problem gelöst wäre: woran würden Sie am darauffolgenden Tag merken, dass sich etwas verändert hat?“

Für alle, die weder das Wort „Wunder“ noch das Wort „Fee“ benutzen wollen, ist es natürlich völlig ok, das Setting neutraler zu beschreiben. Wichtig ist, dass dem Coachee Zeit gegeben wird, über die Frage der Veränderung in Ruhe nachzudenken. „Sie bemerken also morgens, dass das Problem gelöst ist – woran bemerken Sie es? Was ist anders?“ Hier ist viel Askese bei Coachin/Coach gefragt, insbesondere wenn der Coachee mit „Ich weiß nicht“ antworten sollte – dies bedeutet keinesfalls, dass man eingreifen, sondern Zeit lassen sollte. Wenn eine Antwort auftaucht, lohnt es sich ebenfalls, weiterzufragen: „Was fällt Ihnen noch auf?“, „Wer wird noch bemerken, dass das Problem gelöst ist?“, „Was tun Sie als Erstes, wenn das Problem gelöst ist?“, „Wie reagieren andere beteiligte Personen?“

Das Tolle an der Technik ist:

  • Coachee erlebt quasi „gelösten“ Zustand, es passiert bereits eine emotionale Änderung (virtuelles Erleben, „Generalprobe“), die Lösung ist „zum greifen nah“
  • Wunder darf Ausnahmen zulassen, es darf also Wunderhäppchen geben, eine Art Geschichte der kleinen Fortschritte, die sich entwickeln lassen – so entstehen nicht nur Visionen/Lösungsbilder, sondern auch implizite Anleitungen zu kommenden Schritten, diese Vorstellung auch umzusetzen
  • Lässt sich wunderbar im Einzel- und auch Teamcoaching einsetzen, auch sehr zu empfehlen für Agile Coaches (die ich auch immer gerne methodentechnisch inspiriere)!
  • Wenn der Coachee die Technik kennt und nichts von der – pardon – „Kackfee“ wissen möchte, gibt es andere lösungsorientierte Techniken (z. B. die Zukunftwerkstatt lässt sich in adaptierter Weise wunderbar mit einer Person durchführen)

Ach ja, und was hat das mit Klimaanlagen zu tun? Ich biete Kurzzeitcoaching jederzeit an, ausprobieren kann man es unverbindlich und kostenfrei in meiner Coachingsprechstunde, schön im voll klimatisierten Workshopraum. 😉 https://www.think-do-change.de/coaching-sprechstunde/

Lesetipps:

*Steve de Shazer/Yvonne Dolan: Mehr als ein Wunder. Lösungsfokussierte Kurztherapie heute, Carl Auer Verlag 2016.

*Peter Szabó/Insoo Kim Berg: Kurz(zeit)coaching mit Langzeitwirkung, Borgmann Media 2017.

„SOMMERLOCH OHNE VERBLÖDEN“ – eine Veranstaltungsreihe, die an drei verschiedenen Abenden Impulse für das (berufliche oder private) Leben mitgeben möchte. Mit Spaß, Kreativität und Köpfchen gegen die Sommermüdigkeit! Für genügend Abkühlung ist ebenfalls, durch kühle Getränke und gut klimatisierte Räumlichkeiten (in unserem Denkhafen), gesorgt.

Die erste Veranstaltung findet am Donnerstag den 16.08. ab 18:00 Uhr statt zum Thema „Böse Argumente – Erkennen – Erleben – Eliminieren“ .

Die All-Inclusive-Tickets gibt es über Eventbrite (45€ / pro Veranstaltung):
https://www.eventbrite.de/o/dr-christian-hoffstadt-17640735763

Wir freuen uns auf euch!

Dr. Christian Hoffstadt & Anna Zinßer

Die neu eingerichtete Coaching Sprechstunde startet ab dem 1. August 2018. Zwischen 16:00 und 19:30 biete ich fünf 30minütige Einheiten an, in denen man unverbindlich und kostenfrei Kurzzeitcoaching ausprobieren kann. Weitere Infos und Anmeldung unter https://www.think-do-change.de/coaching-sprechstunde/

Die Coaching Sprechstunde findet alle zwei Wochen statt. Sie vereinbaren einen Termin und bringen ein Anliegen mit, bei dem ich Sie unterstützen soll. Dann erhalten Sie eine Art „erste Hilfe zur Selbsthilfe“. 

Heute möchte ich eine meiner Lieblingsmethoden vorstellen, die in den 1980er Jahren erfunden wurde, und deren Wurzeln noch etwas älter sind.

Man stelle sich vor, eine Methode ermutigt einen, alle Zweifel, alle Diskussion, “Wenn und Abers” beiseite zu lassen und direkt dort einzusteigen, wo es im Alltag kaum möglich: Bei dem was wir uns wirklich wünschen, was wir als Vision vielleicht schon in uns tragen und was sich erst in einer offenen, kreativen Umgebung offenbart.

Robert Jungk, einer der ersten Zukunftsforscher, erfand in der Zeit des Kalten Krieges gemeinsam mit Norbert Müllert die bis heute bekannte Methode der „Zukunftswerkstätten“. Sie trieb das Interesse daran, Menschen aller Bildungsbereiche und sozialer Klassen demokratisch an der Gestaltung von Zukunftsprozessen teilhaben zu lassen. Dahinter steckte der implizite Wunsch, dezentrale, regionale Selbsthilfe zu aktuellen Themen zu ermöglichen.

Das heißt, jeder sollte Wünsche und Phantasien frei entfalten und die Welt um sich herum mitgestalten können. Die Methode wirkt dabei den repressiven Effekten entgegen, die normalerweise auftreten: Gesellschaft wird zentral gesteuert, Menschen denken wenig visionär etc.

Die Phasen im Ablauf einer Zukunftswerkstatt sind klar und einfach strukturiert:

Bedarfsweise führt eine Vorbereitungsphase zum Thema hin. Bei größeren Gruppen, die aus unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen bestehen, die sich vorher nicht kennen und keine Thema „teilen“, mag das z. B. die Hinführung zu einem gesellschaftlich relevanten Thema sein wie „Wie sieht die Gesellschaft 20 Jahre nach der Computerisierung aus?“ (echtes Beispiel einer Zukunftswerkstatt aus den 1980er Jahren; man erkennt sofort die Aktualität, wenn man „Computerisierung“ durch „Digitalisierung“ oder „AI“ ersetzt).

Phase Eins ist die sogenannte Beschwerde- und Kritikphase, die nicht zu lang gestaltet sein sollte, da die Methode lösungs- und nicht problemorientiert ist. Hier können die Dinge und Themen platziert werden, die Anstoß für eine gewünschte Änderung bieten.

Die wichtigste, zweite Phase ist die Phantasie- und Utopiephase, die ich gerne „Wunschhausen“ nenne (Dank an den Amsterdamer Kollegen Dr. Christian Roth, der mich darauf hingewiesen hat, dass Wunschhausen wohl nah an der „Hoff-Stadt“ liegen müsse! ;)). Hier wird alles notiert bzw. an die Wand geworfen, was sich die Teilnehmer wünschen. Die einzige Regel ist: Es gibt kein „Das geht ja gar nicht“ oder „Das ist unmöglich“. Das führt dazu, dass dort Visionen und Wünsche plastisch in den Raum treten, die man eigentlich nicht realistisch äußern würde.

Abgerundet wird der Prozess durch die Verwirklichungs- und Praxisphase, die behutsam den Transfer zwischen „Wunschhausen“ und „Realitätshausen“ einleitet. Dabei ist wichtig, dass die Visionen nicht unmittelbar gegen eine virtuelle Wand fahren („Jetzt haben wir uns was gewünscht und umsetzen geht so natürlich nicht.“) und als unrealistisch auf dem Stapel der Wünsche liegen bleiben; so würde nämlich nur Frustration entstehen und das Gefühl, noch weniger als geglaubt verändern zu können. Vielmehr geht es darum, zu erspüren, wo die Teilnehmer das meiste Potenzial sehen und womöglich Anfangspunkte. Der Schwerpunkt ist also die Utopiephase, „Wunschhausen“, es ist sogar möglich, alle anderen Phasen wegzulassen, wenn die Teilnehmer spontan auf Ideen kommen und keine Hinleitung zur Methode brauchen.

Gearbeitet wird von den Teilnehmern mit Moderationskarten, die an (Moderations)wänden befestigt werden und dort verschiebbar bleiben. Klassisch sind aber auch Papierbahnen an Wänden, die Methode lädt dazu ein, beliebiges Material “zur Schau zu stellen” und z. B. auf Wandtapeten Geschichten erzählen.

Erstaunlich ist, dass die sofortige psychologische Wirkung für den Moderator/Coach direkt feststellbar ist – die meisten Menschen lassen sich sehr gut ein auf das lösungsorientierte Arbeiten in Wunschhausen. Damit ähnelt die Methode natürlich der Arbeit heutiger Think Tanks.

Die Erfinder testeten die Methode sehr lange und mussten anfangs auch Rückschläge einstecken, z. B. dass den Teilnehmern nichts Positives einfiel. Sie fanden heraus, dass es animierend wirkte, die Teilnehmer nach den „Verhinderern“ positiver Entwicklungen zu fragen. Die Problem/Kritikphase kann also durchaus immer wieder punktuell auch genutzt werden, um ex negativo Positives zu denken.

Die Zukunftswerkstatt ist ursprünglich als Gruppenmethode gedacht, adaptiert funktioniert sie aber auch wunderbar in der Einzelarbeit (ggf. wird Feedback von außen, z. B. von Freunden eingeholt, und die Arbeit in mehrere Sessions verteilt).

Zeitlich lässt sich die Methode hervorragend anpassen und skalieren. Von der Kurzwerkstatt mit je 15 Minuten pro Phase bis zur Wochenend oder 5-Tage-Zukunftswerkstatt ist alles denkbar. Wichtig ist bei Gruppen, die sich vorher nicht kennen und kein gemeinsames Thema haben, zu Beginn eine Infophase, eine gemeinsame Besichtigung einzuplanen.

Da wo viele Menschen “zusammendenken”, kommt natürlich schnell die Frage auf, wie man die Ergebnisse sichert und teilt. Sollten alle beispielsweise zu Beginn “brainwriting” im Stillen betreiben, ist es wichtig, dass diese Ideen auch in Folge geteilt werden und die Gruppe sich gegenseitig inspiriert, Ideen weiterzuflechten. Sollte die Gruppe gemeinsam brainstormen, ist es wichtig, dass eine neutrale Person schreibt, die die Ergebnisse nicht filtert, bremst oder verformt. Wenn jeder schreibt und Ergebnisse frei an einer Wand platzieren kann, bekommt man allerdings in den allermeisten Fällen “demokratische” Ergebnisse.

Und zum Abschluss einige DOs und DON’Ts:

DOs:  
  • Fantasie
  • Freiheit
  • Wünsche
  • Utopie
  • Das Undenkbare denken (Kahn, Zizek)
  • viele Wortmeldungen
  • Experimentierfreude
  • Unangepasstheit
  • Wandlungsfreude
  • Verrücktes zulassen
  • Scheitern riskieren
  • Vielseitige Infos und Interessen teilen
  • Ideen weiterspinnen
  • Kreativität vor Logik
  • Unvoreingenommene Begegnung
  • Wilde Wucherung von Ideen zulassen
  • Freies Gedankenspiel
  • „Überspitzungen sind nützliche Herausforderungen“
  • Lockerungsübungen
  • Freie Inspiration


DON’Ts:  
  • Monologe
  • Grundsatzdiskussionen
  • Unmut
  • Ohnmacht
  • Bedrängendes
  • “Das geht ja eh nicht”
  • Im-Kreis-drehen
  • Kritik
  • “Ja, aber”
  • Gewohnte Denkgleise
  • Gewohnte Diskussionen
  • An das Machbare denken
  • Druck, etwas umzusetzen
  • Besitzanspruch an Ideen
  • Perfektionismus
  • „Konformitätsgefängnis“
  • Umsetzungsdruck


* Robert Jungk/Norbert R. Müllert: Zukunftswerkstätten, München 1994 (4. Auflage). (Erst-VÖ 1981)

Demnächst dann mehr zu “sozialen Erfindungen”, dem “Walesa-Effekt” und der sogenannten “Soziokratie”!